Mödlinger Symphonisches Orchester

Monumentale Töne sind die Stücke des vorliegenden Konzertprogrammes in mehrfacher Hinsicht. Beide sprengen den zu ihrer Zeit üblichen Rahmen: Brahms‘ 2. Klavierkonzert hat vier Sätze, Schumanns 3. Symphonie fünf Sätze. Beide, Schumann und Brahms, verfolgten ein Ziel, das sie mit vielen anderen Komponisten ihrer Zeit teilten: Aus dem Schatten des übermächtigen Genius Beethoven herauszutreten und auf eigenen Wegen Anerkennung zu finden. Von den Fesseln seiner Anstellung in Leipzig befreit übersiedelte Robert Schumann mit Clara zu einer neuen, reizvollen Aufgabe an den Rhein. Sein Glücksgefühl darüber war für seine Freunde spürbar. Deshalb nannten sie die dort innerhalb kürzester Zeit entstandene 3. Symphonie die „Rheinische“.

Brahms verfasste sein 2. Klavierkonzert 20 Jahre nach seinem ersten und verstand es, Soloinstrument und Orchester nicht wie üblich im Wettstreit einander gegenüber zu stellen, sondern sie zu einem symphonischen Ganzen zu verbinden. Der Kritiker Hanslick bezeichnete das Werk denn auch als Symphonie mit obligatem Klavier.

Lassen Sie sich im Konzert des MSO von zwei Monumenten der Musik überwältigen – oder auch „nur“ verzaubern!

Jera H. Petriček leitete 2019 bereits einige Konzerte des MSO und kehrt nun für dieses Konzert als Gastdirigentin zurück. Ihr Wunsch war es, auch die Komposition einer Frau in das Programm aufzunehmen. Ihre Wahl fiel auf Marianna Martines, in Wien lebende Zeitgenossin von Haydn und Mozart und angesehene Pianistin, Sängerin und Komponistin. Ihre Sinfonia ist eine gute Einstimmung auf das lange verschollene Cellokonzert von Joseph Haydn. Die Noten dieses Konzertes wurden erst 1961 in Prag gefunden. Seither gilt es als ein herausragendes und überaus anspruchsvolles Werk dieser Gattung. Der Solist Konstantin Zelenin ist Mitglied des Auner-Quartetts und wird an diesem Abend seine Virtuosität einmal mehr beweisen.

In Franz Schuberts „kleiner C-Dur-Symphonie“ wollten Zeitgenossen eine „überdimensionierte“ Bläserbesetzung feststellen, was aus heutiger Sicht keineswegs zutrifft. Immerhin sorgen die Bläser stellenweise für eine betont volksliedhafte Stimmung. Gleichzeitig ließ sich Schubert auch von dem damals grassierenden „Rossini-Fieber“ zu Anklängen an italienische Musik inspirieren.

C-Dur wird gerne fröhlicher, freudvoller Musik zugeordnet. In diesem Sinn wünschen wir unseren Zuhörern einen erbaulichen Abend.

Mit der Zauberflöten-Ouvertüre betreten wir uns allen bekannte Gefielde. Dann aber erleben wir Tschaikowskys Bewunderung von Mozart in den selten gespielten Rococo-Variationen, die durchaus nicht dem im Titel genannten Stil entsprechen – ein verhaltenes, einfühlsames Cellokonzert mit wiederholt dramatischen Ausbrüchen. Ein Werk, das der romantisch-temperamentvollen Solistin entgegenkommt. Die in Wien lebende Griechin Loukia Loulaki lässt uns die enormen Schwierigkeiten ihres Parts nur erahnen.

Nach der Pause erfreut uns ein Blick auf die schöne Galathée, bevor wir eintauchen in die Walzerträume und Polkaklänge der Brüder Strauss. Einen Moment lang dürfen wir vergessen, dass uns Mein Lebenslauf ist Lieb und Lust mit berauschender Musik verwöhnt – aber der Realität hier wie dort kaum entspricht… Deshalb lassen Sie uns schon in der Pause mit einem Glas Sekt auf eine bessere Zukunft anstoßen!

Ganz leise beginnt Carl Nielsen, der bedeutendste Komponist Dänemarks, die in seiner Fantasie unternommene Reise zu den Färöer Inseln zu erzählen; es wird aber noch eine stürmische Fahrt, die sich Nielsen musikalisch ausgedacht hat. Eine spannende Ouvertüre.

Jean Sibelius, wie Nielsen 1865 geboren, war Finne und auch er zählt zu den größten Musikschaffenden seiner Heimat. In seinem Violinkonzert entwickeln sich nach verhaltenem Beginn dramatische Steigerungen, die im dritten Satz geradezu ekstatisch kulminieren. Die sehr anspruchsvolle Solovioline spielt Dalibor Karvay, Konzertmeister der Wiener Symphoniker.

Dann aber kommt ein wirklicher Erzähler zu Wort: Der große norwegische Dichter Henrik Ibsen verfasste ein Gedicht, in der Folge ein Theaterstück über Peer Gynt, einen Bauernburschen, der mit erfundenen Geschichten der Realität entfliehen möchte. Edvard Grieg, sein 1843 geborener Landsmann, schrieb dazu eine Schauspielmusik. Die Suiten schildern episodenhaft die Geschichte des lebensfremden Peer: er wird reich, verarmt völlig, doch am Ende nimmt ihn Solveig, die viele Jahre auf ihn gewartet hat, liebevoll auf. Happy end einer nordischen Erzählung?